Tag Archives: Herz-und-Mund

“Blicke Strich Westwärts” ab 21.01.10: Wiederaufnahme im Pumpenhaus“Blicke Strich Westwärts” more dates starting on Jan 21. 2010

„Fantastisch! Großartig! Berührend!“ So beschrieb Maleen Brinkmann, die Witwe des 1975 verstorbenen Autors Rolf Dieter Brinkmann, diesen Abend. (Details und mehr Fotos nach dem Klick auf “Weiterlesen”)

„Fantastic! Great! Touching!“ were the words that Maleen Brinkmann, widow of the late author Rolf Dieter Brinkmann, used to describe this performance. (details and more pictures are the jump)

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Blicke Strich Westwärts (Rolf Dieter Brinkmann. Premiere: 17.09.09)Blicke Strich Westwärts (Rolf Dieter Brinkmann. opens: Sept 17 2009)

brinkmannneuAm Donnerstag, dem 17.09.09 spielen wir die Premiere der “Erkundungen in Texten von Rolf Dieter Brinkmann” (so der Untertitel) mit dem Titel “Blicke Strich Westwärts”.

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Termine in 2009Dates in 2009

Hier ein Überblick über meine Termine für den Rest des Jahres 2009. Wahrscheinlich wird es für alles noch detaillierte Ankündigungen geben:

05.09. – “Meaning in Noise”, Audioinstallation, blackbox, cubanova (Im Rahmen der Langen Nacht der Museen, Münster, 16-24:00 Uhr)

06.09. – Talk über Klangkunst, mit Stephan Froleyks und anderen. cubanova, Münster.

17.09. – Münster-Premiere “Blicke Strick Westwärts” (Arbeitstitel war “Brinkmann 09”). Theater im Pumpenhaus, Münster, 20:00 Uhr. Weitere Vorstellungen: 18., 19., öffentliche Generalprobe 16.09.

21.09. – EBE live in der Wellenfeldsynthese (einem neuartigen Surround-Lautsprechersystem) der TU Berlin. Hörsaal 104, Unter den Linden.

26.09. –  Premiere “Misery”. Szenische Lesung nach dem gleichnamigen King-Roman. Stadtbücherei Münster. 20:30 Uhr. Weitere Vorstellungen: 28.09., 29.09.

01.10. – Bremen-Premiere “Blicke Strick Westwärts” (Arbeitstitel war “Brinkmann 09”). Theater im Pumpenhaus, Münster, 20:00 Uhr. Weitere Vorstellungen: 03.10., 04.10.)

09.10. – Premiere “Paradeiser”. Theater/Tanz. Theater im Pumpenhaus, Münster. 20:00 Uhr. Weitere Vorstellung: 10.10. und im Jahr 2010.

25.10. – Gastspiel “Klangsport”, Senden (bei Münster)

23.11. – EBE  live @ Klangwerktage, Kampnagel, Hamburg

26.11.- Premiere “Oratoriumsprojekt”. Theater im Pumpenhaus, Münster. Weitere Vorstellungen: 27.11., 28.11., 29.11., 03.12., 04.12., 05.12.

10.-13.12. EBE live @ Music in the Global Village, Trafó, Budapest, Ungarn

19.12. EBE live @ Siggraph Asia, Yokohama, Japan (to be confirmed)

Das Leben der Bohá¨me von Henri Murger

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Das Leben der Bohá¨me
Deutsche Erstaufführung nach dem Film von Aki Kaurismäki
Theater im Pumpenhaus, Münster

Nach dem Roman von Henri Murger, aus dem Finnischen von Angela Plöger.
Eine Produktion von Herz und Mund (Münster) und Zuckerhut (Berlin).

Das Stück
„Herz und Mund“ bringt wieder einen Film auf die Bühne. Nach den erfolgreichen GLORREICHEN SIEBEN jetzt DAS LEBEN DER BOHáˆME:

Hunger. Kälte. Einsamkeit. Drei Künstler behaupten sich mit großem Einfallsreichtum in einem System, in dem Geld alles ist. Sie werden arbeitslos, sie verlieren ihre Wohnung, sie verlieren ihre Liebe. Aber eines verlieren sie nie: Ihre Würde. Sie sind stolze Stehaufmännchen, die an dem festhalten, woran sie glauben. In schlechten Zeiten teilen sie Hunger und Wohnung miteinander. Hat einer Geld, wird es gemeinsam in unglaublicher Maßlosigkeit wieder ausgegeben. Essen. Wärme. Liebe. So mündet der kurze, verschwenderische Frühling ohne einen Sommer sofort in den Herbst. Das komplette Mobiliar inklusive der Jugendgedichte ist schnell verheizt und die frierende Geliebte verloren: „Ich kann nicht so weiterleben… Immer ohne Geld, ich kann nicht atmen. Ich habe das Gefühl, ich ersticke.“ – „Ich mache das Fenster auf.“

Im LEBEN DER BOHáˆME geht es in erster Linie um die Kunst des Lebens, des áœberlebens. Im Mittelpunkt steht nicht der Künstler, sondern der Mensch, der dazu neigt, wenig Geld zu haben. Und dazu würden sich nach Selbstauskunft vermutlich die meisten zählen. Kaurismäkis Helden unterwandern mit ungeheurer Kreativität und nicht ohne Komik die unbarmherzige Wirklichkeit. Sie weigern sich hartnäckig, mit dem Elend zu kollaborieren.

Mitwirkende:
Harald Redmer,
Philipp Sebastian,
Susanne Burkhard,
Markus Frank,
Hendrik Pape,
Cornelia Kupferschmid
Regie Andre Sebastian
Ausstattung Sonja M. Welp
Musik Kai Niggemann
Dramaturgie Barbara Kastner
Regieassistenz Britta Hollmann
Technische Leitung Volker Sippel

Theater im Pumpenhaus Münster
Gartenstr. 123
Karten: 0251-233443
Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Münster, die Kunststiftung NRW

Presse

Das Leben der Bohá¨me erhielt von der Presse durchweg gute Kritiken:

TAZ: “Improvisation und Illusion sind die Grundlagen der gelungenen Inszenierung. .” (Gesamter Artikel)

Westfälische Nachrichten: “Eine erfrischende Brise – nicht nur für das hervorragend aufgelegte Ensemble um Regisseur André Sebastian, sondern auch fürs Publikum, das durch anhaltenden Applaus die Luft in Bewegung setzte” (Gesamter Artikel)

Münstersche Zeitung: “eine grandiose Premiere … Die Produktion zeichnet sich durch kluge Regie und viel Liebe zum Detail aus” (Gesamter Artikel)

“Das Leben der Bohá¨me” Kritik von Marcus Termeer (TAZ, 04.02.06)
Elend des Seins
Das freie Theater “Herz und Mund” bringt eine Adaption von Kaurismäkis “Leben der Bohá¨me” auf die Bühne des Münsteraner Pumpenhauses

AUS MáœNSTER
MARCUS TERMEER
Die Zeiten werden härter. Auch die gebildeten Mittelschichten sind von Verarmung bedroht, zur Zwangskreativität genötigt. Das freie Theater “Herz und Mund” aus Münster und Berlin reagiert auf die Frage nach der Kunst des (áœber-)Lebens ohne Geld in einer Geld geprägten Gesellschaft. Nach “Die glorreichen Sieben” ist Aki Kaurismäkis “Leben der Bohá¨me” der zweite Film, den es auf die Bühne des Münsteraner Pumpenhauses bringt.

Ursprünglich ein Roman des Parisers Henry Murger (1822-1861), wurde der Stoff bekannt in der zuckrigen Opernversion Giacomo Puccinis. 1992 hat ihn Kaurismäki verfilmt. Seine Helden sind ständige Verlierer mit Würde, “Stehaufmännchen”, die sich lakonisch weigern, Elend wie Anpassung zu akzeptieren. Das bleibt in der Inszenierung zwar erhalten, aber mit sehr eigenen Mitteln: Drei Künstler, der Schriftsteller Marcel (Markus Frank), der Musiker Schaunard (Hendrik Pape) und der illegal eingewanderte albanische Maler Rodolfo (Philipp Sebastian) kämpfen solidarisch gegen Hunger, Kälte und Ignoranz. Ihre Gegenspieler sind die Repräsentanten des Wohlstands: Hausbesitzer, Ferrari-Fahrer, Polizist, Arzt (alle Harald Redmer). Die Künstler leben in ständiger Armut. áœberraschend verdientes Geld wird umgehend verjubelt. Sie verlieren Wohnungen, alle ihre Möbel, Jobs. Und Marcel und Rodolfo verlieren schließlich ihre Freundinnen Musette (Cornelia Kupferschmid) und Mimi (Susanne Burkhard), die das improvisierte Leben voller Illusionen nicht mehr ertragen.

Improvisation und Illusion sind auch die Grundlagen der gelungenen Inszenierung. Feste Strukturen von Räumen und Personen gibt es nicht. Sie wechseln ständig, entstehen jeweils aus dem Kontext. So wird allerlei auf der Bühne verteiltes Mobiliar jeweils zu Wohnungen, Bars, einer Disco, einem Polizeirevier, einem Stadtpark, einem Auto. Die DarstellerInnen “verwandeln” sich immer wieder in eine Art ErzählerInnen, die Kaurismäkis Regie-Anweisungen vortragen und so den Fortgang der Handlung schildern.

Die Realitäten durchdringen sich. Das Ganze ist ein Spiel mit der Illusion und dabei gleichzeitig völlig offen. Es fordert die Phantasie des Publikums und bricht sie immer wieder. Und es reflektiert zugleich das Bohá¨me- Klischee, spätestens, wenn das Stück kurzfristig in eine angemessen alberne Version der Puccini-Oper verfällt.

Heute und Morgen, 20:00 Uhr
Infos: 0251-233443

taz NRW (4.2.2006)

Es gibt nur Wein zum Mittagessen
Theater: “Bohá¨me” im Pumpenhaus

Münster. Ein schöneres Bühnenbild sieht man selten. Sofas, ein Bistrotisch, eine Parkbank, eine Laterne, eine Musikbox und ein Klavier markieren verschiedene Schauplätze. Zwar atmet alles den Geruch von Sperrmüll, aber hier wird das Leben der Bohá¨me verhandelt. Ist Geld da, verschwendet man es mit Bravour. Fehlt es, muss man sich nach der Decke strecken. Eine Flasche Rotwein, in Würde genossen, kann ein Mittagessen ersetzen.

Kunst und Liebe

Marcel (Markus Frank) Schaunard (Hendrik Pape) und Rodolfo (Philipp Sebastian) sind Künstler. Wenn sie nicht gerade malen oder dichten, lieben sie Mimi (Susanne Burkhard) und Musette (Cornelia Kupferschmid) — bis eine von ihnen wegläuft und die andere stirbt. Die Geschichte ist hinlänglich bekannt, aus dem Roman von Henri Murger, aus Giacomo Puccinis Oper “La Bohá¨me” oder aus Aki Kauriskmäkis Film “Das Leben der Bohá¨me”.

An eben diesem Film orientierte sich Regisseur Andre Sebastian in seiner Inszenierung die in Münsters Pumpenhaus eine grandiose Premiere feierte. Die Koproduktion der Theatergruppen “Herz und Mund” (Münster) und “Zuckerhut” (Berlin) zeichnet sich durch kluge Regie und viel Liebe zum Detail aus. Das Ensemble lotet unterschiedliche Stimmungen aus, und Erzähler Harald Redmer übernimmt diverse Nebenrollen.

Faszinierend ist vor allem die unbeschwerte Art, mit der die Darsteller Glanz in die ärmliche Pariser Mansardenwelt bringen. Trotz deutlich ironischer Untertöne sind Akteure am Werk, die sich mit ihren Rollen identifizieren. Damit setzen sie der rationalen Bürgerwelt eine zwar romantische aber auch durchaus nachvollziehbare Alternative entgegen, der auch das traurige Ende nichts anhaben kann.

Helmut Jasny (MZ 03.02.2006)

Seminar für Lebeleute
Die Bohéme erobert das Pumpenhaus

Wohlig konnten sich doppelt verdienende Kreuzviertelbewohner abgrenzen – im entspannten Bewusstsein materieller áœberlegenheit gegenüber den Bedürftigkeiten im Leben der Pariser Bohá¨me. Gar knapp geht es im Leben der Bohá¨miens Marcel, Schaunard und Rodolfo zu: Unerfreuliche Alltagsnervereien wie Inkasso orientierte Vermieter, dysfunktionale Heizungen und steinharte Baguettes hindern die drei verkannten Künstlergenies an der praktischen Umsetzung ihrer vor Genialität strotzenden Ideen.
Hinzu kommen noch garstige Verleger, die sich unverständlicherweise nicht begeistert auf das in unzähligen rotweinschweren Nächten fertiggestellte Erstlingswerk‚ “Der Rächer – ein Drama in 21 Akten“ stürzen.

Dementsprechend ist die Staffage der Bühne: Von altersschwach bis halbantik steht dort alles, was nach sans le sous, der Pariser Variante von HartzIV, aussieht: Das verstimmte Piano, das malade Chaiselongue als amouröses Begegnungszentrum, die wackeligen Stühle der Endlosdiskussionen, für die Legionen leerer Flaschen stummes Zeugnis ablegen – stilecht vor dem Hintergrund der historischem Industriearchitektur im Landhausstil.

Freude kommt auf, wenn noch Bares entdeckt wird, was der gemeinsamen Verschwendung entgangen ist. Noch größere Freude, wenn ein soignierter Kunstfreund aus der geldschweren haute bourgeoisie eines der Bilder im Stil des existenziellen Konstruktivismus erwirbt.

Dann erreichen die Projekte deliriale Höhenflüge: Die lang geplante Modezeitung des Titels ‚Die Schärpe der Iris“ kommt an den Start, wozu natürlich erstmal Arbeitsbesuche in Nachtclubs zwingend notwendig sind bis mal wieder alle vom Gelde befreit sind. Jedoch kein wirklich ernsthaftes Problem für den smarten Avantageur: Preisgünstig werden die Anbahnungsblumen vom Friedhof gemopst: ‚Montmatre im Mai – wir waren jung und frei!“

Und auch die Kalkulation des schwunghaften Gemäldehandels verläuft souverain: Verkauf für 200 – “500 haben allein die Farben gekostet!“ – “Francs oder Euro?!“ Solche Stressfragen versetzen niemanden in Wallung. In ebendiese geraten die Schauspieler in der Schlussszene: Von kryptischen Kräften getrieben räumen sie in rasender accélération die Bühne leer – das Ameublement verschwindet durch die Flügeltüren der Nebenräume. Der so entstandene eiskalte Luftzug ist ein gewolltes Stilmittel, mit der die Regie die Bohá¨me hinwegfegt.

Eine erfrischende Brise – nicht nur für das hervorragend aufgelegte Ensemble um Regisseur André Sebastian, sondern auch fürs Publikum, das durch anhaltenden Applaus die Luft in Bewegung setzte.
Christian Steinhagen (Westfälische Nachrichten 3.2.2006)

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