Category Archives: Musikproduktion

Musikproduktionen, Bands, Auftragskompositionen und Ähnliches.

Lecture Performance / Action Discussion: Wieviel Wirklichkeit? – Softe Poetik in Zeiten radikaler Zeichen (Center for Literature, Münster)

img_7229.jpgOrt: Rüschhaus // Format: Lecture Performance / Action Discussion //Künstler*innen: Pascal Richmann Dorothee Elmiger Manuel Gogos Kai Niggemann. Foto (c) Dario Damiano

05. Oktober 2018 – 20:00 Uhr,
Center for Literature
Haus Rüschhaus
Am Rüschhaus 81
D-48161 Münster

 

„Ich versuche an den radikalen Zeichen vorbei zu kommen / Die deshalb so radikal sind weil / Weil die Zeichenmacher wissen / Dass solche Zeichen die sichtbarsten Zeichen sind“ – das sang Schorsch Kamerun, Sänger der Goldenen Zitronen, auf dem Album Die Entstehung der Nacht, damals, 2009.

Zehn Jahre später sind die radikalen Zeichen andere – nicht mehr nur blinkende Werbung, nervige Pop-Ups oder Überschriften, die drei Mal das Wort Sex enthalten. Rechtsextreme haben es geschafft, durch Medien, durch Sprache, durch gezielte Skandale die Zeichen zu radikalisieren, mit dem Ziel, die Zeiten zurückzudrehen.

Was, wie und wieso schreiben, während so etwas geschieht?

Hören wir Dorothee Elmiger und Pascal Richmann zu. Deren Texte sind sicher keine Antwort darauf, wieso sollten sie auch? Sie stellen klügere, dringlichere Fragen und geben auch noch Antworten, wie es nur die Kunst kann: mal spielerisch leicht, als wäre die Weltgeschichte ein Spaziergang, und dann im nächsten Moment mit voller Wucht in die Magengrube des Denkens.

 Die Fiktion war und ist doch das größte Problem, dachte ich noch, aber da kam auch schon der Kellner und servierte mir die dampfenden Nockerl.

— Pascal Richmann, Über Deutschland, über alles

Wer ist also Problem? Die Realität? Die Fiktion? Ihre Mischung? In der Tenne des Rüschhaus lesen die beiden Schriftsteller*innen, Elmiger aus Schlafgänger (DuMont 2014) und Richmann aus Über Deutschland, über alles (Hanser 2017), in denen sich Poetisches und Politisches, Roman-haftes und Essayistisches ununterscheidbar mischen.

Dorothee Elmiger lässt in einer hochpoetischen Textlandschaft Menschen aus unterschiedlichen Berufen, Generationen, Ländern aufeinandertreffen. So bringt sie Flucht, Exil und Grenzen in Miniaturen auf den Punkt (der aber schwebt) und schildert on the way, wie die westliche Welt zwischen eigenen Ansprüchen und Grenzen zerfällt.

Pascal Richmann folgt den Spuren der Deutschtümelei und der Nation als Fiktion durch ein dichtes Gestrüpp, vom Wartburgfest über die Wacht am Rhein und Leni Riefenstahl bis zum Dortmunder Borsigplatz und den eigenen Familiengeschichten. Furchtlos, mit brachialer Eleganz beweist er in seinem Debüt auch, dass Literatur satt an Zitaten UND Welt zugleich sein kann. Und muss.

Zwischen den Leseblöcken wummern, kratzt und knistert Musik von Kai Niggemann, Stücke von seinem Album Heart Murmur, sie holen uns kurz weg von den Worten. Dann wieder: ready – steady – go.

Im Anschluss an die Lesung diskutieren im Gartensaal Dorothee Elmiger und Pascal Richmann mit Manuel Gogos, Literaturwissenschaftler und Filmemacher, und mit: Ihnen. Yup. Kommen Sie und sprechen (mit)! Erkunden wir zusammen, welche soften Poetiken in diesem harten 21. Jahrhundert zu schreiben sind.

 Nun kann ich nicht von ihnen sprechen, ohne von mir selbst zu sprechen, und von mir kann ich nicht sprechen, ohne die Anwesenheit der anderen zu erwähnen, obwohl meine Situation sich gänzlich von der ihren unterschied, stand meine Unruhe doch in einem Zusammenhang mit ihrer Anwesenheit, mit meiner Beschäftigung als Logistiker, Import und Export, mit der Reise meiner Großmutter auf einem Kreuzfahrtschiff nach Nigeria, wo sie, das beweisen Fotos, von Bord ging, alles stand in einem Zusammenhang mit den Schlafgängern dieser Zeit.

— Dorothee Elmiger, Schlafgänger

2x Buchla 200e live in Berlin: Kai Niggemann & Henning Pertiet (aka Teitreph)

(click for full resolution)

Kai Niggemann & Teitreph aka Henning Pertiet improvise on Buchla 200e synthesizer

in a superb surrounding – the Gustav Adolf Bauhaus Kirche is the perfect place for music that seems to come from outerspace

Datum und Uhrzeit
So. 24. Juni 2018
19:00 Uhr – 22:00 Uhr MESZ

Veranstaltungsort
Evangelische Kirchengemeinde Gustav-Adolf
Herschelstraße 14
10589 Berlin

Tickets

Yeah. It’s a message to you. Meaning in Noise.

 

Am kommenden Freitag, 01.06.2018 spielt Meine Wunschdomain (www.meinewunschdomain.com), Julia Nietzsche und Knut Schultz auf dem Wiener aNOther Festival.

Ihre Arbeit “Yeah. It’s a message to you. MEANING IN  NOISE” featuret meine Klanginstallation “Meaning in Noise”. Diesmal orakelt das Orakel 40 Minuten lang mit dem gesamten Publikum!

Das Programm beginnt ab beiden Tagen um 19:00 Uhr und hat eine Menge spannender Produktionen und Beiträge. Wir freuen uns sehr über die Einladung und darauf, möglichst viel von dem Festival auch als Besucher*innen wahrzunehmen.

Adresse und alle Künstler*innen in barrierefrei nach dem Sprung.

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TUMA-Kassetten Review von “Ein Abend am Modularen Synthesizer”

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Das Blog TUMA-Kassetten (Deutsch & English) hat einen Review über das Ana Ott Tape “Ein Abend am Modularen Synthesizer” (split von Nils Quak und mir) geschrieben, den ich erst jetzt entdeckt habe. Vielen Dank für die wunderbare Kritik!

 

Kai Niggemann und Nils Quak – Ein Abend am modularen Synthesizer

Die heutige Review ist eine Preview, denn die neue Kassette auf Ana Ott erscheint erst in ungefähr 10 Tagen. Die Mühlheimer waren aber so freundlich mir vorab ein Exemplar zu schicken – vielen Dank dafür! Ging das letzte Tape eher in die Richtung Krautrock und Shoegaze, so ist diesmal die Ausrichtung eindeutig elektronisch, aber auch hier scheint ein gewisser krautiger Ansatz durch. Wie beim letzten mal handelt es sich um einen Live Mitschnitt, allerdings nicht um ein Konzert im klassischen Sinne: Kai Niggemann und Nils Quak präsentieren jeweils ihre eigene Herangehensweise an modulare Synthese vor dem Publikum des Makroscopes.

Seite A: Kai Niggemann
Starten wir das Tape also mit Kai Niggemann und einem Arp Pattern, das sich bereits nach kurzer Zeit anfängt zu verändern, zu verschieben und damit neue rhythmische Figuren erzeugt. Mir gefällt das Tempo, in dem hier gearbeitet wird. Der Sound selbst ist relativ „frontal“ und Niggemann bringt die Veränderungen genau in dem Moment bevor es einem zu stressig wird. Eigentlich passiert die ganze Zeit etwas. Er spielt mit verschiedenen Emotionen, die er in seinem Publikum erzeugt. Ruhe und Stressmomente wechseln sich im Laufe der Performance ab. Die Rhythmik bleibt immer ähnlich und bildet somit einen roten Faden hindurch. Später gibt es noch einen Teil mit Sounds, der auf mich wie ein Klagelied unbekannter Wesen wirkt. Den Part finde ich etwas anstrengend, aber auch hier passt das Timing und dieser wird rechtzeitig von einem ruhigeren Drone abgelöst. Der Rest seines Sets verläuft dann reduzierter und subtiler. Eine Reise durch alle möglichen Stimmungen.

Seite B: Nils Quak
Die Herangehensweise von Nils Quak ist deutlich eine andere: Es beginnt mit einem langen Drone Pattern, das zuerst eher zurückhaltend moduliert wird. Die Sounds beginnen auseinander zu driften, ein LFO bringt Bewegung hinein. Hinzu kommen weitere Sounds, die mit LFOs moduliert und gegeneinander geschickt werden. Teilweise erinnert es an Sirenen und Fluggeräte. Die Änderungen sind viel subtiler. Ab etwa der Hälfte weicht das bisherige Pattern einem cineastischeren mit einem basslastigeren Grundsound und geisterhaften sweeps. Zum Ende hin wird es wieder etwas ruhiger. Insgesamt ist diese Performance langsamer, flächiger und homogener.

Das Tape hat eine leichte Betonung auf den Höhenanteil, wodurch das Eigenrauschen zwar hörbarer wird, aber dafür der Klang der verwendeten Sounds präziser wird. Die richtige Wahl hier, denn eine Bassbetonung hätte nicht viel gebracht. Die Aufmachung gefällt mir sehr gut. Ana Ott hat immer wieder interessante  Ideen und schafft es richtige Sammlerobjekte zu schaffen. Dieses mal ist die Kassette durchsichtig und einseitig mit Infos bedruckt, das Cover allerdings ist eine bedruckte Folie. Hält man also das Tape im Case gegen das Licht, so scheint es hindurch. Das Artwork kommt von Gabriele Klages.

Dieses Tape geht eindeutig in den Bereich der Klangkunst / experimenteller Musik. Entsprechend wird es von verschiedenen Leuten unterschiedlich aufgenommen werden. Spannend ist es allemal. Ich bevorzuge die A-Seite, da die Performance Kai Niggemanns m.E. etwas fordernder ist.
Link: https://anaott.bandcamp.com/album/ein-abend-am-modularen-synthesizer

 

(English after the jump)
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Buchla 200e live @ Superbooth, FEZ, Berlin 04.05.18

Am 04.05.18  spiele ich in Berlin auf der Superbooth, der weltgrößten Zusammenkunft, Messe, Festival und Creative-exchange über (Modular-) Synthesizer. Natürlich spiele ich dort auf meiner Buchla 200e Electric Music Box.

Ich spiele um 17:30-18:20 draußen auf der sehr schönen Seebühne und werde Vinyl-Schallplatten von Heart Murmur dabei haben.

Shout outs to the other Künstler*innen die auf der Superbooth spielen: GusGus, Die Angel (Schneider TM und Ilpo Väisänen von Pan Sonic), Steve H (auch mit Buchla 200e), An On Bast, Andrew Huang, Joker Nies, Max Loderbauer (mit NSI), Carolina Eyck, Islaja, Thomas Rehnert and many many more!

Außerdem zum ersten Mal auf der Superbooth: Buchla, USA!

Mehr Infos: https://www.superbooth.com

Berlin: Basic Electricity #26: Max Loderbauer & Kai Niggemann

We’re very happy to welcome Max Loderbauer back to Basic Electricity for an improvisation on a Buchla modular system. Max Loderbauer currently plays his 200e live in the electro-acoustic trio Ambiq and with his long-time collaborators Moritz von Oswald and Ricardo Villalobos.

Kai Niggemann (Paradeiser Productions) creates ‘poetically abstract’ music, also with the help of a Buchla 200e. At his Basic Electricity debut, Kai Niggemann presents his recently released recording, Heart Murmur, using the Buchla’s ‘Source of Uncertainty’ as a partner for improvisation.

Two musicians improvising on two Buchlas in a fantastic sounding room – there’s much to look forward to on Friday, March 2nd when Max Loderbauer and Kai Niggemann play Basic Electricity #26 at König Otto in Neukölln – we hope to see you there!

VENUE

BE#26, Friday, 2.3.18 @ König Otto
Am Sudhaus 3, 12053 Berlin Neukölln
U7 Rathaus Neukölln or U8 Boddinstr.

Facebook Event is here.

TIMES

Tickets 10€. Doors at 20:00, music starts 21:00
Seating is limited to 50, so please come on time.
The bar will be open for drinks and sandwiches.

Linear Belongings: Klangbasierte Künste Köln am 30.09.17 im Turm der Martin Luther Kirche

Mi 27.-30.09.2017 · 16.00-20.00h · installative und intermediale Klänge und Texturen

Mi 27.09.2017 · 19.00h · opening
Sa 30.09.2017 · 20.00h · Konzert** feat. Kai Niggemann (Analog-Synthesizer)
Sa 30.09.2017 · 21.00h · Konzert** feat. Oxana Omelchuk (Analog-Synthesizer)
Sa 30.09.2017 · 22.00h · Konzert** feat. Florian Zwissler (Analog-Synthesizer)
Sa 30.09.2017 · 23.00h · Konzert** feat. LTK4 Allstars
LTK4 Klangbasierte Künste Köln · Martin-Luther-Platz 2-4 · 50677 Köln

LINEAR BELONGINGS eröffnet mit der Klangvermessung Belfast-Dublin eine mehrjährige interdisziplinäre Kooperation zwischen THE CORRIDOR (Dundalk/Irland) und dem 1. DEUTSCHEN STROMORCHESTER (Köln), die vertikale und horizontale Territorien außerhalb von Politik, Religion, Grenze und Barriere beobachtet, behauptet und bespielt.
Die Klangvermessung und Bespielung der Tangente Belfast/Dundalk/Drogheda/Dublin – ein gemeinsamer Kulturraum, durch den in Kürze die europäische Außengrenze verläuft – wird für Köln aus der Fläche gelöst und in die physische Vertikale transformiert: als simultane Klang-Raum-Inszenierung auf fünf übereinander gelagerten Ebenen im Turm von LTK4 – Klangbasierte Künste Köln.
Die Bespielung aus klingenden und visuellen Fundstücken, raumbezogenen Kompositionen und ortsspezifischen Improvsationen, medialem Material und teils fragmentierten Texturen verzahnt die Positionen der irischen und deutschen Akteure und wurde von Anne Mager und Rochus Aust kuratiert.

Menschmaschine bei urban urtyp in Bochum

Am Samstag in Bochum:

Samstag 23. September | 19 Uhr
Schlegel-Haus, Willy-Brandt-Platz 5–7 | direkt gegenüber der Christuskirche
Eintritt frei!

 

urban urtyp ist eine Konzertreihe in der Bochumer Christuskirche, jede Saison startet mir einem “Vorspiel” im intimeren Keller der Schlegel Brauerei — dort gibt es auch die Menschmaschine:

Über die Menschmaschine:

Ein Musiker und sein Synthesizer – Ein Synthesizer und sein Musiker? Algorithmen und Gefühle, Musik und Emotionen, Bediener und Maschinen, elektronische Reflektionen über die Beziehung von Menschen und Maschinen: Das alles ist Teil des kollektiv erarbeiteten Lecture-Konzerts „Menschmaschine“. Der Musiker Kai Niggemann, ist umgeben von elektronischen Klangerzeugern und eingetaucht in elektronische Live-Musik. Entlang seiner Setlist nimmt er uns mit auf eine Reise, macht er das Nerdige als Leidenschaft erlebbar und erklärt, wie elektronische Musik gemacht wird, wie der Sound in die Welt kam und weshalb er selber Musik macht. Und was hat diese Musik eigentlich mit unserer Gesellschaft zu tun?

MENSCHMASCHINE
Lecture-Konzert
von Paradeiser Productions

Konzeption & Produktion: Paradeiser Productions; Kaja Jakstat, Kai Niggemann & Ruth Schultz. Musik & Performance: Kai Niggemann. Assistenz: Lisa Kemme

Eine Produktion von PARADEISER productions in Koproduktion mit dem theaterimballsaal, Bonn.
Gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen von “Nistplätze” und das Reset-Festival, Münster.

Mehr Infos:
http://paradeiserproductions.com/02produktionen/menschmaschine
http://www.urbanurtyp.de/2017/08/vorspiel-kai-niggemanns-menschmaschine/