FrühlingsstürmeSpring Storm

Florian Steffens wird von Maximilian Scheidt auf einem großen Ventilator in Zeitlupe durch den Raum geschoben.

Florian Steffens, Maximilian Scheidt
Foto © Jochen Quast

Premiere: 22.02.2013, Theater Münster (Kleines Haus). Alle Spieltermine auf der Theater-Münster Seite

“Ich wünsche mir, wovor ich mich fürchte und ich fürchte mich vor dem, was ich mir wünsche, so dass ein Sturm in mir brodelt, der nicht losbrechen kann.”

Premiere: 22.02.2013, Theater Münster (Kleines Haus). Alle Spieltermine auf der Theater-Münster Seite

“Ich wünsche mir, wovor ich mich fürchte und ich fürchte mich vor dem, was ich mir wünsche, so dass ein Sturm in mir brodelt, der nicht losbrechen kann.”

Sie sind jung und ihre Zukunft steht ihnen offen. Wie wollen sie leben? Wen lieben? Was erwartet man von ihnen? Können und wollen sie dem genügen? Oder ist es Zeit, sich zu emanzipieren und auszubrechen aus der Wohlstandsblase Port Tyler am Mississippi, die regiert wird von ehrgeizigen Ansprüchen, konservativen Vorstellungen und gesellschaftlicher Ausgrenzung? Heavenly liebt den Draufgänger Dick, der abhauen will und an alles andere denkt, als an ein bodenständiges Leben. Der intellektuelle, gut angepasste Arthur ist wiederum schon lange unglücklich in Heavenly verliebt. Und die schüchterne Hertha liebt ihn. Ein Gefühlschaos ohne Ausweg. Alle Figuren drohen zwischen ihren individuellen Leidenschaften und den gesellschaftlichen Ansprüchen zerrieben zu werden, wie in so vielen Stücken von Tennessee Williams. Frühlingsstürme ist ein, bis heute in Deutschland unentdecktes, frühes Drama des Autors, das nicht nur im Titel an Wedekinds Frühlingserwachen erinnert. Es zeigt mit der gleichen Sensibilität und Genauigkeit Menschen in der Adoleszenz: Einer Zeit, in der das noch ganz zarte und zerbrechliche Ich erstmals den Stürmen des eigenen, körperlichen Verlangens und einer ständig fordernden und maßregelnden Erwachsenenwelt standhalten muss, ohne daran zu zerbrechen.

Spieldauer ca. 135 Minuten, eine Pause

AUS DER PRESSE:

Maike Jüttendonk überzeugt mit ihrem kräftigen, sehr selbstbewussten Ton, diese Heavenly will vor allem raus aus diesen beengten Verhältnissen, doch ihre Wünsche sind sehr körperlich bestimmt. Als Arthur sie zu küssen wagt, scheint ihr plötzlich auch der Ausweg mit ihm möglich. Dieser vordergründig brave Knabe entpuppt sich im Lauf des Stücks zu einem Dämon aus nicht verwundener Demütigung. Florian Steffens erinnert dabei in seinem Mienenspiel zuweilen an Klaus Kinski, und wie ein enthemmter Bacchant fällt er, betrunken gemacht und wieder verspottet, über die arme Bibliotheksgehilfin Hertha her. Lilly Gropper gibt diesem Mädchen voller literaturgeprägter Träume, das eigentlich sogar in Arthur verliebt ist, zunächst die weiche Begeisterung jener, die sich in Visionen verwirklichen, dazwischen die Bitterkeit der Vergessenen, nach der Vergewaltigung den Schrei und die gefährliche Ruhe der Zerstörten. […] Ein packendes Stück, hervorragend gespielt. Großer Applaus nach der Premiere.

– Andreas Berger, Die deutsche Bühne, 25. Februar 2013

[…] ein echtes Fundstück. […] Schauspielchef [Frank Behnke] hat mit der deutschen Erstaufführung des 1937 fertig gestellten Theatertextes ein Zeichen gesetzt. Behnke entschlackte das figurenreiche Stück und strich zeitspezifische Passagen […]. Vor allem aber kann Behnkes Inszenierung mit hoch engagierten Schauspielern punkten.

– Jürgen Berger, Süddeutsche Zeitung, 2. März 2013

Münster hat ein altes Stück von Tennessee Williams ausgegraben, »Frühlingsstürme«; das Jugendwerk des amerikanischen Dramatikers ist ein echter Fund. […] Eine makellos gebaute Handlung, starke Rollen und die humorvolle, souveräne Erstaufführungsinszenierung von Münsters Schauspielchef Frank Behnke begrüßte das Publikum mit begeistertem Beifall. Die musikalische Kulisse begleitet die Szene ironisch mit Swing: »Memories are made of this!« […] die »Frühlingsstürme« sind ein Gewinn für jeden Spielplan.

– Dr. Ulrich Fischer, NDR, 23. Februar 2013

Williams beschreibt in seinem Jugendstück geradezu naturalistisch den Rassismus im Süden der USA kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Er beschönigt nichts. Frank Behnke, Münsters Schauspieldirektor, arbeitet in seiner Inszenierung den Humor des Schauspiels heraus. Er stützt sich auf ein spielfreudiges Ensemble, vor allem Maike Jüttendonk überzeugte als Heavenly sowohl in den lyrischen wie in den hochdramatischen Szenen.

– dpa, 23. Februar 2013

Es erging dem 27-jährigen Tennessee Williams schlecht, als er 1938 sein Theaterstück »Frühlingsstürme« in seiner Schauspielklasse zur Begutachtung vorlegte. Die Mitstudenten lasen den Text, fanden den Charakter der Hauptfigur Heavenly »schwach« und lehnten das Werk ab. Nach der deutschen Erstaufführung am Freitag in Münsters Kleinem Haus steht fest: Die Studenten hatten keine Ahnung. […]

Maike Jüttendonk spielt die Heavenly großartig. Sie spricht mit wunderbarer Klarheit, bringt für die Rolle der jungen Verführerin die nötige Attraktivität und Haltung mit, strahlt aber auch schon dieselbe Härte und Kälte aus wie ihre Bühnen-Mutter. Die verkörpert Carola von Seckendorff in einer Paraderolle als verhärmte Hysterikerin voller unterdrückter Leidenschaften.

Auch die Männer sind ideal besetzt. Maximilian Scheidt kann als Rebell Dick das dreckige Unterhemd schon fast so gut tragen wie Marlon Brando, macht aber auch deutlich, dass dieser junge Mann noch ein Bubi ist. Florian Steffens ist als schlaksiger Nerd Arthur zunächst der heimliche Sympathieträger, bis er schließlich im Suff einen fatalen Fehler begeht, der das Stück zu seinem traurigen […] Ende bringt. Lilly Gropper spielt die gepeinigte Bibliothekarin Hertha sehr anrührend.

In den reiferen Rollen punkten Regine Andratschke als verständnisvolle Tante, Hartmut Lange als stoffeliger Vater und Claudia Hübschmann als kühle Bibliothekschefin. Insgesamt hat sich das Sprechniveau vor allem der jungen Schauspieler seit dem Intendanten- und Ensemblewechsel geradezu erschütternd gesteigert.

– Manuel Jennen, Münstersche Zeitung, 25. Februar 2013

Keine Frage: Das relativ neu entdeckte Werk des damals 25-jährigen Dichters funktioniert, und auch die naheliegende Assoziation zum ungleich radikaleren »Frühlings Erwachen« von Frank Wedekind ist nicht falsch. Denn mit Heavenly, die am Ende gezwungen ist, sich auf die Veranda zu setzen und abzuwarten, ob der Richtige vorbeikommt, hat Williams das Porträt eines jungen Menschen geschaffen, der nicht weiß, wohin er mit seinen widerstreitenden Empfindungen soll und wie er sein Leben frei vom Zwang elterlicher Vorstellungen führen kann. […]

Regisseur Frank Behnke holt seine Schauspieler so oft wie möglich an die Rampe, sorgt für eine dezent abstrahierende Darstellung, bei der stets Klarheit über die Schauplätze der Handlung herrscht. Und er vertraut ganz auf die Kraft des Protagonisten-Trios. Die fabelhafte Maike Jüttendonk als Heavenly ist ein verliebtes und widerspenstiges Mädchen, das am Ende sogar eine Verbindung mit dem Mutter-Liebling Arthur in Erwägung zieht, nachdem der sich von den Fesseln seines konventionellen Verhaltens zu befreien scheint. Florian Steffens darf diese Rolle bis an die Grenze der Parodie ausreizen und genießt es förmlich, den Limonaden-Trinker mit einer prallen Trunkenheits-Szene auszustatten. Maximilian Scheidt als Dick schließlich hat eine der schönsten Szenen des Stücks: Seine Schilderung einer Nacht auf dem Fluss zeigt, dass in diesem Macho mindestens so viel Gefühl steckt wie im Gedichtband-Blätterer Arthur. Den er dann allerdings verprügelt.

– Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 25. Februar 2013

Die Figuren machen das Stück interessant: Wie Monde kreisen sie umeinander, zeigen in ständiger Drehung ihre hellen und dunklen Seiten. Durch ihre Anziehung und Abstoßung halten sie sich gegenseitig stabil auf ihren Bahnen. Unausweichlich wie in einer antiken Tragödie scheinen die Ereignisse ihrem ewigen Lauf zu folgen. Hier sind bereits die Konstellationen zu erkennen, die Williams in seinen späteren, großen Stücken »Endstation Sehnsucht« (1947) und »Die Katze auf dem heißen Blechdach« (1959) in aller Schärfe zeichnet. Jedoch kommt deren durchgehend pessimistische und morbide Atmosphäre in dieser Inszenierung der »Frühlingsstürme« nicht zum Vorschein. Die Beklemmungen werden auf unterhaltsame Art immer wieder unterbrochen mit grotesk-heiteren Einschüben, effektvollem Spiel wie einem Kampf in gespielter Slow-Motion und Bildern, die an die bunte, steife Frische der Werbewelt denken lassen.

Die »Frühlingsstürme« gehören für das Theater Münster zur selbstverschriebenen Erneuerungskur. Der Regisseur und Schauspieldirektor Frank Behnke legte schon vor dem noch jungen Wechsel nach Münster in seinen zehn Spielzeiten am Staatstheater Nürnberg den Fokus vor allem auf Uraufführungen, um das Repertoire auf den deutschsprachigen Bühnen zu vervielfältigen und zu verjüngen. Dass dies selbst mit einem Theaterstück aus dem Jahr 1937 gelingen kann, haben er und die Schauspieler des Theaters Münster eindrücklich bewiesen.

– Thea Terbaer, Theaterkompass, 24. Februar 2013

REGIETEAM
Inszenierung – Frank Behnke
Bühne & Kostüme – David Hohmann
Musik – Kai Niggemann
Saxophon – Tobias Brügge
Dramaturgie – Friederike Engel

BESETZUNG
Heavenly Critchfield – Maike Jüttendonk
Dick Miles – Maximilian Scheidt
Hertha Nielson – Lilly Gropper
Arthur Shannon – Florian Steffens
Esmeralda Critchfield – Carola von Seckendorff
Lila Critchfield – Regine Andratschke
Oliver Critchfield / Reverend Hooker / Kellner – Hartmut Lange
Agnes Peabody / Berdie Slagman – Claudia Hübschmann

Sie sind jung und ihre Zukunft steht ihnen offen. Wie wollen sie leben? Wen lieben? Was erwartet man von ihnen? Können und wollen sie dem genügen? Oder ist es Zeit, sich zu emanzipieren und auszubrechen aus der Wohlstandsblase Port Tyler am Mississippi, die regiert wird von ehrgeizigen Ansprüchen, konservativen Vorstellungen und gesellschaftlicher Ausgrenzung? Heavenly liebt den Draufgänger Dick, der abhauen will und an alles andere denkt, als an ein bodenständiges Leben. Der intellektuelle, gut angepasste Arthur ist wiederum schon lange unglücklich in Heavenly verliebt. Und die schüchterne Hertha liebt ihn. Ein Gefühlschaos ohne Ausweg. Alle Figuren drohen zwischen ihren individuellen Leidenschaften und den gesellschaftlichen Ansprüchen zerrieben zu werden, wie in so vielen Stücken von Tennessee Williams. Frühlingsstürme ist ein, bis heute in Deutschland unentdecktes, frühes Drama des Autors, das nicht nur im Titel an Wedekinds Frühlingserwachen erinnert. Es zeigt mit der gleichen Sensibilität und Genauigkeit Menschen in der Adoleszenz: Einer Zeit, in der das noch ganz zarte und zerbrechliche Ich erstmals den Stürmen des eigenen, körperlichen Verlangens und einer ständig fordernden und maßregelnden Erwachsenenwelt standhalten muss, ohne daran zu zerbrechen.

Spieldauer ca. 135 Minuten, eine Pause

AUS DER PRESSE:

Maike Jüttendonk überzeugt mit ihrem kräftigen, sehr selbstbewussten Ton, diese Heavenly will vor allem raus aus diesen beengten Verhältnissen, doch ihre Wünsche sind sehr körperlich bestimmt. Als Arthur sie zu küssen wagt, scheint ihr plötzlich auch der Ausweg mit ihm möglich. Dieser vordergründig brave Knabe entpuppt sich im Lauf des Stücks zu einem Dämon aus nicht verwundener Demütigung. Florian Steffens erinnert dabei in seinem Mienenspiel zuweilen an Klaus Kinski, und wie ein enthemmter Bacchant fällt er, betrunken gemacht und wieder verspottet, über die arme Bibliotheksgehilfin Hertha her. Lilly Gropper gibt diesem Mädchen voller literaturgeprägter Träume, das eigentlich sogar in Arthur verliebt ist, zunächst die weiche Begeisterung jener, die sich in Visionen verwirklichen, dazwischen die Bitterkeit der Vergessenen, nach der Vergewaltigung den Schrei und die gefährliche Ruhe der Zerstörten. […] Ein packendes Stück, hervorragend gespielt. Großer Applaus nach der Premiere.

Andreas Berger, Die deutsche Bühne, 25. Februar 2013

[…] ein echtes Fundstück. […] Schauspielchef [Frank Behnke] hat mit der deutschen Erstaufführung des 1937 fertig gestellten Theatertextes ein Zeichen gesetzt. Behnke entschlackte das figurenreiche Stück und strich zeitspezifische Passagen […]. Vor allem aber kann Behnkes Inszenierung mit hoch engagierten Schauspielern punkten.

Jürgen Berger, Süddeutsche Zeitung, 2. März 2013

Münster hat ein altes Stück von Tennessee Williams ausgegraben, »Frühlingsstürme«; das Jugendwerk des amerikanischen Dramatikers ist ein echter Fund. […] Eine makellos gebaute Handlung, starke Rollen und die humorvolle, souveräne Erstaufführungsinszenierung von Münsters Schauspielchef Frank Behnke begrüßte das Publikum mit begeistertem Beifall. Die musikalische Kulisse begleitet die Szene ironisch mit Swing: »Memories are made of this!« […] die »Frühlingsstürme« sind ein Gewinn für jeden Spielplan.

Dr. Ulrich Fischer, NDR, 23. Februar 2013

Williams beschreibt in seinem Jugendstück geradezu naturalistisch den Rassismus im Süden der USA kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Er beschönigt nichts. Frank Behnke, Münsters Schauspieldirektor, arbeitet in seiner Inszenierung den Humor des Schauspiels heraus. Er stützt sich auf ein spielfreudiges Ensemble, vor allem Maike Jüttendonk überzeugte als Heavenly sowohl in den lyrischen wie in den hochdramatischen Szenen.

dpa, 23. Februar 2013

Es erging dem 27-jährigen Tennessee Williams schlecht, als er 1938 sein Theaterstück »Frühlingsstürme« in seiner Schauspielklasse zur Begutachtung vorlegte. Die Mitstudenten lasen den Text, fanden den Charakter der Hauptfigur Heavenly »schwach« und lehnten das Werk ab. Nach der deutschen Erstaufführung am Freitag in Münsters Kleinem Haus steht fest: Die Studenten hatten keine Ahnung. […]

Maike Jüttendonk spielt die Heavenly großartig. Sie spricht mit wunderbarer Klarheit, bringt für die Rolle der jungen Verführerin die nötige Attraktivität und Haltung mit, strahlt aber auch schon dieselbe Härte und Kälte aus wie ihre Bühnen-Mutter. Die verkörpert Carola von Seckendorff in einer Paraderolle als verhärmte Hysterikerin voller unterdrückter Leidenschaften.

Auch die Männer sind ideal besetzt. Maximilian Scheidt kann als Rebell Dick das dreckige Unterhemd schon fast so gut tragen wie Marlon Brando, macht aber auch deutlich, dass dieser junge Mann noch ein Bubi ist. Florian Steffens ist als schlaksiger Nerd Arthur zunächst der heimliche Sympathieträger, bis er schließlich im Suff einen fatalen Fehler begeht, der das Stück zu seinem traurigen […] Ende bringt. Lilly Gropper spielt die gepeinigte Bibliothekarin Hertha sehr anrührend.

In den reiferen Rollen punkten Regine Andratschke als verständnisvolle Tante, Hartmut Lange als stoffeliger Vater und Claudia Hübschmann als kühle Bibliothekschefin. Insgesamt hat sich das Sprechniveau vor allem der jungen Schauspieler seit dem Intendanten- und Ensemblewechsel geradezu erschütternd gesteigert.

Manuel Jennen, Münstersche Zeitung, 25. Februar 2013

Keine Frage: Das relativ neu entdeckte Werk des damals 25-jährigen Dichters funktioniert, und auch die naheliegende Assoziation zum ungleich radikaleren »Frühlings Erwachen« von Frank Wedekind ist nicht falsch. Denn mit Heavenly, die am Ende gezwungen ist, sich auf die Veranda zu setzen und abzuwarten, ob der Richtige vorbeikommt, hat Williams das Porträt eines jungen Menschen geschaffen, der nicht weiß, wohin er mit seinen widerstreitenden Empfindungen soll und wie er sein Leben frei vom Zwang elterlicher Vorstellungen führen kann. […]

Regisseur Frank Behnke holt seine Schauspieler so oft wie möglich an die Rampe, sorgt für eine dezent abstrahierende Darstellung, bei der stets Klarheit über die Schauplätze der Handlung herrscht. Und er vertraut ganz auf die Kraft des Protagonisten-Trios. Die fabelhafte Maike Jüttendonk als Heavenly ist ein verliebtes und widerspenstiges Mädchen, das am Ende sogar eine Verbindung mit dem Mutter-Liebling Arthur in Erwägung zieht, nachdem der sich von den Fesseln seines konventionellen Verhaltens zu befreien scheint. Florian Steffens darf diese Rolle bis an die Grenze der Parodie ausreizen und genießt es förmlich, den Limonaden-Trinker mit einer prallen Trunkenheits-Szene auszustatten. Maximilian Scheidt als Dick schließlich hat eine der schönsten Szenen des Stücks: Seine Schilderung einer Nacht auf dem Fluss zeigt, dass in diesem Macho mindestens so viel Gefühl steckt wie im Gedichtband-Blätterer Arthur. Den er dann allerdings verprügelt.

Harald Suerland, Westfälische Nachrichten, 25. Februar 2013

Die Figuren machen das Stück interessant: Wie Monde kreisen sie umeinander, zeigen in ständiger Drehung ihre hellen und dunklen Seiten. Durch ihre Anziehung und Abstoßung halten sie sich gegenseitig stabil auf ihren Bahnen. Unausweichlich wie in einer antiken Tragödie scheinen die Ereignisse ihrem ewigen Lauf zu folgen. Hier sind bereits die Konstellationen zu erkennen, die Williams in seinen späteren, großen Stücken »Endstation Sehnsucht« (1947) und »Die Katze auf dem heißen Blechdach« (1959) in aller Schärfe zeichnet. Jedoch kommt deren durchgehend pessimistische und morbide Atmosphäre in dieser Inszenierung der »Frühlingsstürme« nicht zum Vorschein. Die Beklemmungen werden auf unterhaltsame Art immer wieder unterbrochen mit grotesk-heiteren Einschüben, effektvollem Spiel wie einem Kampf in gespielter Slow-Motion und Bildern, die an die bunte, steife Frische der Werbewelt denken lassen.

Die »Frühlingsstürme« gehören für das Theater Münster zur selbstverschriebenen Erneuerungskur. Der Regisseur und Schauspieldirektor Frank Behnke legte schon vor dem noch jungen Wechsel nach Münster in seinen zehn Spielzeiten am Staatstheater Nürnberg den Fokus vor allem auf Uraufführungen, um das Repertoire auf den deutschsprachigen Bühnen zu vervielfältigen und zu verjüngen. Dass dies selbst mit einem Theaterstück aus dem Jahr 1937 gelingen kann, haben er und die Schauspieler des Theaters Münster eindrücklich bewiesen.

Thea Terbaer, Theaterkompass, 24. Februar 2013