Aber ich entschwand… Ein Todesartenmonolog

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“Aber ich entschwand…”

Ein Todesartenmonolog
(Uraufführung)
ZUSATZTERMIN: 20.05.2007

Zwei Frauen, getrennt durch Jahrhunderte. Hier die Dichterin aus dem Münsterland, bewundert für ihre Intelligenz und Kreativität. Doch allein in ihren Sehnsüchten als Frau. Dort die moderne Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts Ingeborg Bachmann, die scharf die Beziehung von Mann und Frau analysiert, das Private als das Politische erkennt. Zwei Frauen, getrennt durch Jahrhunderte. Und doch…

Aber ich entschwand - Probenfoto
…sind die Frauenfiguren Ingeborg Bachmanns dem Leben der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff verblüffend nah. Der Monolog aus Prosatexten, Gedichten und Briefen der Droste ist inhaltlich und strukturell an den Malina-Roman angelehnt, dem ersten Teil des von Bachmann geplanten Todesarten-Zyklus. Auch die münsterländische Dichterin war gefangen in Strukturen. Die Regisseurin Edda Klepp und Schauspieler-in Cornelia Kupferschmid schaffen aus der Verbindung der beiden Künstlerpersönlichkeiten eine moderne Frauenfigur. Wichtiger Bestandteil der Arbeit ist dabei auch die Verwendung von elektronischer Live-Musik und Sounddesign, um die Vielschichtigkeit menschlicher Gedankenstrukturen und die Bedeutung des Unbewussten auszudrücken.

Aber ich entschwand… ist ein Monolog für eine Schauspielerin aus Prosatexten, Gedichten und Briefen von Annette von Droste-Hülshoff, der sich inhaltlich und strukturell stark anlehnt an den Malina-Roman Ingeborg Bachmanns. Dieser Roman war Teil des von Bachmann geplanten “Todesarten”-Zyklus, welcher gesellschaftliche Strukturen, insbesondere die zwischen Mann und Frau, zum Thema hat.

Das Leben der Droste weist eklatante Parallelen auf zu den von Bachmann geschaffenen Frauenfiguren. Ziel der Inszenierung ist es, die Bachmann’sche Theorie anhand der Persönlichkeit der Droste auch im 21. Jh greifbar zu machen, da sie auch heute noch höchste Aktualität besitzt. Aus der Verbindung der beiden Künstlerpersönlichkeiten wird eine moderne Frauenfigur.

Video


Termine

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Uraufführung: Sonntag 22. April 2007
weitere Vorstellungen:
Sonntag: 29.04.
Sonntag 06.05.
Sonntag 13.05.
Sonntag 20.05. NEU!

Theater im Pumpenhaus, Münster
Gartenstraße 123
20:00 Uhr
Karten: 0251-23 34 43
Preis 13,– / erm. 7,50 €

Mitwirkende:

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Regie: Edda Klepp
Bühne: Hans Salomon
Komposition und Livemusik: Kai Niggemann
Schauspiel: Cornelia Kupferschmid
Licht: Moritz Hesse
Lichtdesign und technische Leitung: Volker Sippel

Presse

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Münstersche Zeitung:

“Cornelia Kupferschmid in der Rolle der Annette von Droste-Hülshoff ist eine Freibeuterin in diesem Meer aus Mitteilungen… Auch wenn sich die angedeutete Verbindung zwischen der Droste und bachmann nicht unmittelbar erschließt, ist die Inszenierung doch ein Theatererlebnis, das vor allem [Cornelia ]Kupferschmids hervorragendem Spiel zu verdanken ist. In einer von Kai Niggemann live erzeugten elektronischen Klangkulisse lotet sie die Tiefe der Texte aus und setzt sie in beinahe tänzerisch wirkende Bewegungen um.”

Westfälische Nachrichten:

“[Die] Selbstzweifel [der Droste] werden von einer inneren Instanz — auf der Bühne der Sounddesigner Kai Niggemann — mit lauten, erschreckenden Geräuschen beantwortet. Akustische Messerstiche, die nicht nur der Protagonistin, sondern auch den Zuschauern in die Glieder fahren. Als Gruppe Rosmarin präsentierte das Trio Kupferschmid (Schauspiel), Niggemann (Live-Sound) und Klepp (Regie) eine Begegnung von Bachmann und Droste […]

Ein sehr ambitioniertes Projekt auf einem hohen intellektuellen Level […]

Es ist wesentlich dem brillanten Spiel von Cornelia Kupferschmid zu verdanken, dass die rund 40 Zuschauer im [ausverkauften] Pumpenhaus-Keller der Inszenierung gebannt folgten. die Schauspielerin hadert und streitet, kämpft und leidet. Mittels ihrer Briefe versucht sie immer wieder aus ihrer Isolation auszubrechen. Verbal kämpft sie um ihren geliebten Levin, der der heiratet eine andere — Louise von Gall.

Obwohl alles dafür spricht, zerbricht die Droste-Hülshoff der Klepp-Inszenierung nicht an ihrem Kummer. Statt dessen durchlebt sie eine, dem Bachmann Roman entlehnte, albtraumgleiche Phase, zu der Niggemann schauerlich-schöne Sounds beisteuert. An deren Ende wirkt sie abgeklärt und gestärkt. Dass sie es nun schafft das Publikum direkt anzusprechen, deutet ein glückliches Ende an.”

Soundbeispiele

für “Aber ich entschwand…” schuf ich Klänge, die den Text und das Spiel begleiten und solche, die den Text stören, ihn unterbrechen und die Stiche, die Annette von Droste-Hülshoff aus den Briefen ihres geliebten Levin Schücking lesen musste, hörbar machen. Im Audioplayer in der Spalte links ist der Soundtrack von Teil III “Traum” zu hören. In dem Traum realisiert die Droste die wahren Absichten Schückings und es gelingt ihr zum ersten Mal mit ihnen umzugehen. Die Texte (die im Sound-Beispiel nicht zu hören sind) sind abwechselnd Droste-Briefe und Bachmann-Zitate aus “Malina”.

Technische Hintergründe

Ableton Live screenshot

“Aber ich entschwand…” entstand aus Sounds die ich mit verschiedenen Software-Klangerzeugern schuf. Zebra2, Absynth, Addictive Drums, Oddity und eine Menge klangverbiegener Effekte wie zum Beispiel Logic Pros Compressor, Channel EQ und Ringshifter, Ohmforces Predatohm und Ohmboyz, Camelspace und andere…

Saturator

Von Hand habe ich Samples editiert und zerschnitten, der Krach der “Irritation” [dem Geräusch was die Droste immer dann in ihrer Welt stört, wenn sie wieder eine Hiobsbotschaft über ihren Levin Schücking erfährt] besteht aus über 30 verschiedenen Klängen die in kurzen Abständen zerschnitten, im Panorama verteilt und am Ende mit dem “Saturator” von Ableton Live brutal verzerrt wurden.

Für die Proben und die Vorstellungen benutze ich Ableton Live auf meinem MacBook Pro, einen Access Virus TI und ein Radio. Mit der Tastatur des Virus starte und stoppe ich Clips aus Live, mit den Buttons des Virus steuere ich Lautstärken und andere Parameter, das Radio wird in den Filtereingang des Virus geführt und ist die Grundlage für den Klang der “elektrischen Wand”. Der Virus war gleichzeitig mein Audio-interface.

Die meisten Sounds haben eine weite Reise hinter sich: Der Loop der den “Traum” (Teil 3 des Stücks) einleitet, war beispielsweise mal ein Orchesterschlag (gespielt mit 8 Orchester-Parts des Garritan Personal Orchestra, GPO), den ich in Logic zerschnitten, geloopt und verdoppelt habe. In Live habe ich ihn noch gestreckt und einige Effekte hinzugefügt: “Redux”, “Phaser” und “Vinyl Distortion” von Live, sowie ein QuadFrohmage von Ohmforce. Erst dann wurde er zu dem Sound der mir vorschwebte. So oder so ähnlich erging es einigen Klängen die ich für die Droste designt habe.

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