Die Sieben Todsünden – Trägheit

04Traegheit 300

Das Stück

Ohrensessel

Staatsreligion Trägheit.
Trägheit regiert die Welt.
Unsere Gesellschaft ohnehin.
Trägheit ist der Motor.
Trägheit ist das Prinzip.
Trägheit ist Aktions Gegenpol
Trägheit stabilisiert Systeme.
Trägheit lacht als Letzte.


Das Gesetz der Trägheit wurde von Galileo Galilei entdeckt. Stimmt es, dass es heute noch gültig ist, und dass dessen einziger Paragraph vorschreibt, alles zu unterlassen, was einen davon abhält? Die Antwort darauf geben Kai Niggemann und Ekkehard Freye, wenn sie im ohrenSessel Platz nehmen und ihren Abend in der Todsünden-Serie zu Gehör bringen. Ein akustischer Trip mit trägen Beats und Texten, Theremin, Stimme und Live Elektronik.

Am Sonntag dem 12.12.2004 nehmen sich der Schauspieler Ekkehard Freye (Sprecher/Stimme) und Kai Niggemann (Musik) der Todsünde “Trägheit” an.

Mehr Infos: www.ohrpilot.de/ohrensessel
Sonntag, 12.12.2004
Beginn: 20.30 Uhr
Hot Jazz Club
Hafenweg, Münster

Eintritt: 7/5 EUR

Kritik
“Trägheit”, MZ 14.12.04
Gestern in der MZ (Münsterschen Zeitung): eine Kritik über unsere Performance zur Trägheit im Hot Club zu Münster:

Vegetieren im Nirgendwo

Todsünden-Reihe von “ohrpilot” widmete sich erfolgreich der Trägheit im Hot Jazz Club

Münster – Die Todsünde “Trägheit” bezeichnet ein Dahinleben ohne Eigeninitiative, gemeinhin den faulen Müßiggang. Mit einer quälend sich ewig wiederholenden Endlosschleife eröffnete Musiker Kai Niggemann deshalb am Sonntagabend im Hot Jazz Club in Münster sehr passend eine neue Folge der “Todsünden”-Reihe des Theaterlabels “Ohrpilot”.

Unförmig schien sich die Musik durch den Raum zu schleppen, als Schauspieler Ekkehard Freye im futuristischen Ohrensessel Platz nahm und eine Rolle thermobeschichtetes Faxpapier langsam entrollte wie die á„gypter seinerzeit ihre Papyrusollen.

Mit einfühlsamer Stimme las er sehr nachdenklich träge Texte von Lessing, Rilke, Cage, Baudelaire, Borrows [Burroughs] und Lafargue, von müßiger Liebe bis hin zum Recht des Arbeiterproletariats auf Faulheit.

Für Lacher im Publikum sorgte Freye, als er mit comichafter Stimme von dem Faultier “Ai” erzählte, das zwei Tage braucht, um von einem Baum auf den anderen zu kommen. Kai Niggemann brillierte mit kraftwerk’esken Soundtüfteleien. Er schickte live zu den Rezitationen von Freye dessen Stimme durch die unendlich-scheinenden Leitungen seines elektronischen Equipments, jagte sie mit Echolot, zerfaserte sie mit Tempobremsen und brachte so unter-bewusste Stimmungen zum Klingen.

Ekkehard Freye versuchte sich im Laufe des Abends der Trägheit zu entledigen, etwa mit fragiler Zivilcourage, einem Hauch Lust oder leichter Musikalität. Er kämpfte mit sich, doch die iefen Bassbeats und das schwebende Theremin steuerten dominant dagegen und warfen ihn zurück ins träge aber erfüllte “Nirgendwo der Zwischenwelten”.

Am Ende war die Faxrolle ausgelesen, der Rezitator sank konsterniert in den Sessel, und Musiker Kai Niggemann suchte nach den letzten Tönen im á„ther seines phänomenalen Klangkosmos. Stimme und Musik versickerten im Raum. Zurück blieb das Rauschen eines alten Röhrenradios und begeisterter Applaus im Publikum. – Peter Sauer

[tags]Hot Jazz Club, 2004, Ohrpilot, Uraufführung, Musiktheater, Livehörspiel [/tags]

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